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12 August 2016

Bewegen? Eine Frage der Planung!

Bewegen Eine Frage der Planung!

Mit diesen Tipps von Parkinson-Physiotherapeut Dr. Maarten Nijkrake vom Nimwegener Universitätsklinikum Radboudumc halten Sie sich in Bewegung!

Dr. Nijkrake sieht vor allem Patienten mit eingeschränkter Mobilität und Gleichgewichtsstörungen. Sie haben Schwierigkeiten beim Gehen, beim Bewegen, beim Erheben aus einem Stuhl, wenn sie ins Bett gehen und wenn sie wieder aufstehen. Außerdem fallen sie regelmäßig hin. Er hat einige Tipps zusammengestellt, mit denen diese Dinge ein wenig leichter gehen – und zwar ohne dass es körperlich zu belastend für den Patienten oder den Partner/die Pflegeperson ist.

Tipp 1: Schritt für Schritt mit höchster Konzentration

„Parkinson sorgt in der Regel dafür, dass automatische Bewegungen langsamer, kleiner und stockender werden. Je komplexer die Bewegung, desto eher treten diese Probleme auf.

Ein Trick für die Steuerung von Bewegungen, um wieder selbst gehen zu können: Bewegen Sie sich ganz bewusst. Jede Bewegung sollte sehr konzentriert, Schritt für Schritt, bewusst durchgeführt werden. Den Vorgang des Sich-Umdrehens im Bett kann man wie die Silben eines Wortes in Teile zerlegen: Knie anwinkeln, Gesäß anheben, Knie fallen lassen, Torso mitdrehen, Schultern mitdrehen. Das funktioniert am besten ohne Zeitdruck.“

Tipp 2: Streifen aufkleben, Rhythmen einhalten, bewusst Schritte setzen

„Jugendliche können ein Smartphone im Gehen bedienen. Für Parkinson-Patienten ist das eine zu komplexe Arm-Hand-Aufgabe: er steht still und kann nur eine Aufgabe gleichzeitig ausführen. Beim Abwaschen vergisst ein Parkinson-Patient, bewusst auf seine Haltung zu achten und verliert das Gleichgewicht oder bleibt durch plötzliches Einfrieren wie angewurzelt stehen.

Ein Trick, um besser gehen zu können, ist, sich einen Anreiz aus der Umgebung oder einen selbst geschaffenen Anreiz zunutze zu machen. Auch rhythmische Hinweise helfen. Man kann sich in einem bestimmten Rhythmus bewegen oder zu Musik laufen. Oder man kann Streifen auf den Boden kleben und ganz bewusst über einen Streifen gehen. Oft kommen Patienten auf Asphalt überhaupt nicht voran, laufen aber bei Zebrastreifen zügig auf die andere Straßenseite. „Insgeheim“ dem Schrittrhythmus der Begleitperson oder dem Muster der Platten auf dem Bürgersteig zu folgen, sind weitere gute Tricks. Treppen steigen geht oft besser, weil man dann bewusster seine Schritte setzt (allerdings nur, wenn der Patient nicht unter Gleichgewichtsstörungen leidet).

Tipp 3: Wählen Sie eine Form der Bewegung, die gut zu Ihren persönlichen Interessen passt

„Für Parkinson-Patienten ist es gut, sich so aktiv wie möglich zu bewegen. Allerdings erfüllt schon die Hälfte der gesunden Menschen nicht die Norm für gesundes Bewegen. Hinzu kommt, dass Menschen mit Parkinson sich in der Regel immer weniger bewegen.

Tai-Chi, die chinesische Kampfkunst, bei der man die Bewegungen langsam und entspannt durchführt, ist sehr gut. Wem der spirituelle Aspekt von Tai-Chi nicht zusagt, der ist mit Rad fahren besser bedient. Man sollte also immer eine Sportart oder Bewegungen wählen, die den jeweiligen persönlichen Interessen entsprechen.“

Tipp 4: Bewegungsmomente planen und Energielevel berücksichtigen

„Bewegung hat eine positive Wirkung, aber viele Patienten sind geistig und körperlich einfach erschöpft. Ihre täglichen Aktivitäten wie die Arbeit und/oder das Versorgen ihrer Familie kosten viel Kraft. Sport und Bewegung müssen vor allem praktisch sein – überlegen Sie, wie Sie sie in ihren Tagesablauf integrieren können. Wenn Sie zum Beispiel immer um 10:00 Uhr die Zeitung lesen, sollten Sie Ihren Bewegungsmoment davor oder danach einplanen. Ein fester Zeitpunkt empfiehlt sich, weil man es sonst viel zu schnell einfach bleiben lässt.“

Tipp 5: Planen Sie kurze Zeitblöcke für intensive Bewegung ein

„Wenn die Krankheit weiter fortschreitet, kann fünfmal pro Woche 30 Minuten Bewegung schon zu intensiv sein. Fünfmal ein täglicher Block von 10 Minuten ist dann besser. Mehrere Blöcke pro Tag sind übrigens immer erlaubt. Die Erfahrung hat gezeigt, dass eine Radfahrbewegung leichter fällt als ein Stück zu Fuß zu gehen, weil die Schritte mit der Zeit kleiner und langsamer werden und anfangen zu stocken. Doch bis weit in die Krankheit hinein können Patienten in die Pedale treten. Aber aufgepasst: Aufgrund der Gleichgewichtsstörungen sollten Sie nicht mehr am Verkehr teilnehmen! Ein Fitnessrad oder ein Pedaltrainer sind da gute Möglichkeiten.

Sie sollten sich allerdings richtig intensiv bewegen, sodass Ihre Herzfrequenz steigt. Und Sie sollten mindestens 5 Tage in der Woche trainieren, denn einmal wöchentlich Physiotherapie reicht nicht aus. Auch bei der Gartenarbeit bewegen Sie sich intensiv, leichte Hausarbeit wie Abwaschen oder Bügeln hingegen zählt nicht. Versuchen Sie in erster Linie, spazieren zu gehen, Treppen zu steigen oder Rad zu fahren. Und achten Sie auf die Dosierung: Bei einem 80-jährigen Patienten schreitet die Krankheit meistens viel schneller voran als bei einem 65-jährigen Parkinson-Patienten. Das lässt sich nicht beeinflussen, aber auf Ihre Bewegung haben Sie selbst sehr großen Einfluss.“

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